Kreatives Umfeld
Im Atelier
Ein Studio, ein Atelier — was braucht es? Wie gestaltet man einen Raum für freies Denken und Kreativität? Lassen sich allgemeine Regeln formulieren? Wohl kaum. Jede und jeder hat seine eigene Art. Manche füllen den Raum mit interessanten Objekten, Restmaterialien und beiläufigem Durcheinander; andere bevorzugen das Gegenteil: aufgeräumte, klare Räume mit präzisen Linien, Winkeln und gespitzten Bleistiften — in stiller Bereitschaft.
Es ist ein Klassenraum, angenehm abgenutzt und sparsam gepflegt. Eine nachsichtige Umgebung, die unverkennbar die Spuren vieler Jahre kreativer Arbeit trägt. Mal arbeitet hier eine Gruppe von Schaffenden, mal hat man — mit etwas Glück — den ganzen Raum für sich, um sich auszubreiten, wie man möchte.
Aber der Prozess selbst — worum geht es eigentlich? Er beginnt vielleicht in einer Art Chaos, in einer Sammlung von Materialien. Sich rein intuitiv in weiten Kreisen um ein Thema bewegen, das noch nicht festgelegt ist. Suchen und finden — eine Feder vielleicht, oder eine zerknitterte Tüte in einem verlockenden Zitronengelb. Alte Skizzen und Notizen an die Wand heften. Ein Wort, ein Satz, der einem in den Sinn kommt — am besten gleich auf einer Schreibtafel notieren, bevor er entgleitet. Langsam entsteht eine Collage aus Worten, Bildern und kleinen Zeichnungen. Ein Miniaturuniversum: dies, das, und noch etwas anderes in greifbarer Form. Im besten Fall beginnt man zu verstehen, wohin es geht.
Violas Bilder entstammen Kindheitsszenen — erlebt, geträumt oder erdacht —, alle mit spürbarer Gefühlsladung. Wie eine Archäologin der Empfindungen fügt sie Fragmente zusammen und schafft Momentaufnahmen bestimmter Augenblicke. Eine Decke, ein Blick auf eine Tapete, der Lichteinfall auf einem Flokati — Details aus den Stollen der Erinnerung. Es trifft die Betrachterin oder den Betrachter mitten ins Solarplexus — und der Gedanke kommt: ja, so war es bei mir auch.
Schreib- und Pinnwände werden bespielt und wieder geleert, während die Arbeit fortschreitet. Es ist ein durch und durch analoger Prozess. Kompositionen entstehen und entwickeln sich — manchmal so überzeugend, dass sie geradezu festgehalten werden wollen.
Fotografie: Pia Ulin. Styling und Text: Cilla Ramnek. Künstlerin: Viola Sparre.